Forschungsprojekt des ZKFL

Günter Grass’ Bildkunst im literarischen Kontext

Eine interdisziplinäre Untersuchung im Umkreis der »Danziger Trilogie« (1959–63) und des »Butt« (1977)
Viktoria Krason

Das Verknüpfen von Literatur und bildender Kunst ist ein wesentliches Charakteristikum des sechs Jahrzehnte umfassenden Schaffens von Günter Grass: Visuelle Arbeitspläne und Zeichnungen werden eng mit dem Schreibprozess verzahnt, Prosa-, Dramentexte und Gedichte mit deutlichen Bezügen zu den bildenden Künsten entwickelt und in seinen Büchern oftmals direkt mit Zeichnungen, Druckgrafiken oder Aquarellen kombiniert. Eine systematische Untersuchung der Beziehung von Wort und Bild im Werk von Günter Grass verspricht deshalb nicht nur ein erweitertes Verständnis seiner intermedialen Arbeiten, sondern darüber hinaus auch neue Erkenntnisse zum Verhältnis der beiden Kunstformen im Allgemeinen – es zeigt sich in seinem Oeuvre in so vielen verschiedenen Ausprägungen wie in kaum einem anderen.

Noch liegt keine Publikation vor, die diese Aufgabe in erschöpfender Form bewältigt hätte. So ist bislang unklar, in welcher Form sich Grass’ praktische und theoretische Beschäftigung mit bildender Kunst in seiner Poetologie widerspiegelt, welche Funktion Bildern in seiner disziplinen- und gattungsübergreifenden Arbeitsweise zukommt und welche Rolle sie für die Konzepte seiner hybriden Kunstwerke spielen. Es sind diese Fragen, die im Zentrum des Dissertationsprojektes stehen und interdisziplinär – aus literatur- und bildwissenschaftlicher Perspektive – an zwei entscheidenden Schaffensphasen des Künstlers erörtert werden.

Die Arbeiten im Umfeld der »Danziger Trilogie« (1959–1963) sind besonders stark durch Grass’ akademische Ausbildung zum Grafiker und Bildhauer und die Zusammenführung seiner literarischen und bildkünstlerischen Betätigungen geprägt. Da in dieser Werketappe grundlegende Kennzeichen seiner Ästhetik und Arbeitsweise wie die gegenständliche Kunstauffassung oder das Erproben einzelner Motive in verschiedenen Disziplinen zum ersten Mal deutlich erkennbar sind, ist eine Auseinandersetzung mit ihr für jede Analyse intermedialer Zusammenhänge in seinem Oeuvre unabdingbar. Die Werkstattprozesse im Umkreis des »Butt« (1977) zeigen dagegen erstmals in Grass’ Schaffen eine an ästhetische Vorstellungen der deutschen Romantik gemahnende Verbindung verschiedener literarischer Gattungen und künstlerischer Disziplinen zu einem großen Themenkomplex und weisen auf eine noch intensivere Verdichtung von Literatur und bildender Kunst in späteren Arbeiten voraus.

Die Basis des gesamten, von produktions- und rezeptionsästhetischen Ansätzen geleiteten Promotionsvorhabens bildet die Beschäftigung mit dem reichen Grafikbestand des Lübecker Günter Grass-Hauses.

Lebenslauf:

  • 1981 geboren in Laurahütte (Polen)
  • 2001–2007 Studium der Kunstgeschichte, der Neueren deutschen Literatur und der Philosophie in Münster, Venedig und Berlin
  • 2008 freiberufliche Tätigkeit als Kunsthistorikerin und Redaktionsassistentin
  • 2009–2010 Wissenschaftliche Volontärin im Günter Grass-Haus
  • 2011-2013 wissenschaftliche Mitarbeiterin im Günter Grass-Haus;
  • 2012 und 2013 zugleich Doktorandin am Zentrum für Kulturwissenschaftliche Forschung Lübeck (»Lübecker Modell«)