Das Museum

Seit 2002 befindet sich in der Glockengießerstraße 21 in Lübeck das Günter Grass-Haus, Forum für Literatur und Bildende Kunst. Es bietet Einblicke in das Werk des Literaturnobelpreisträgers, Grafikers und Bildhauers Günter Grass. In Sonderausstellungen werden weitere künstlerische Mehrfachbegabungen präsentiert.

 

Das Günter Grass-Haus stellt den Künstler in seiner Vielseitigkeit vor und vermittelt gleichzeitig die von ihm geschaffene Bildwelt und die dafür genutzten Arbeitsmethoden. Der Sammlungsbestand von über 1100 Zeichnungen, Radierungen, Lithographien und Aquarellen sowie der seit 1995 entstandenen Manuskripte, ermöglicht es dem Besucher, Einblicke in die „Werkstatt" des Künstlers zu erhalten. Besonders reizvoll sind außerdem der Skulpturenhof und der Museumsgarten.

 

Günter Grass wohnt seit 1986 in der Nähe Lübecks. Sein Sekretariat befindet sich in der Lübecker Glockengießerstraße 21. Das Museum ist somit nicht an beliebiger Stelle entstanden, sondern an einem Ort, an dem sich der Autor selbst häufig aufhält.  

 

Dass Grass neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit immer auch bildkünstlerisch gearbeitet hat, ist Vielen nicht bewusst. Tatsächlich ist der Literat ausgebildeter Grafiker und Bildhauer. Nach einer Steinmetzlehre in Düsseldorf studierte Grass von 1948 bis 1956 zunächst dort, später in Berlin. Es war eine Zeit, in der die Kunst nach der Kulturpolitik des „Dritten Reiches" vor grundlegende Fragen gestellt war. Eine davon betraf die Gegenständlichkeit oder Ungegenständlichkeit der Kunst. Während eine Vielzahl von Künstlern sich abstrakter Malerei zuwandte, blieb Grass dem Gegenstand verhaftet. Er sah in der „Flucht ins Gegenstandlose" den Ausdruck einer „Verdrängung, die ja nicht nur im Politischen stattfand, sondern insgesamt, bis in die Künste hinein." Durch sein mittlerweile fünf Jahrzehnte umfassendes Schaffen ist er bei dieser Gegenständlichkeit der Kunst geblieben und die meiste Zeit auch bei grafischen Techniken in schwarz-weiß: Zeichnungen, Radierungen und Lithografien. Erst in seinem Spätwerk hat Grass sich auch wieder dem Aquarell zugewandt.

 

Zahlreiche Konstanten finden sich in der Verwendung seiner Motive und Figuren. Fische, Schnecken, Köche, Nonnen usw. - Protagonisten späterer Romane - tauchen bereits in den Prosatexten, Theaterstücken und Gedichten auf, die Grass in den 50er Jahren schrieb. Mit diesen Gedichten hatte Grass sich, bereits bevor ihm mit der „Blechtrommel" 1959 der internationale Durchbruch gelang, Anerkennung verschafft und durch sie Aufnahme in die „Gruppe 47", den bedeutendsten Literatenkreis der deutschen Nachkriegszeit gefunden. Der Lyrikband „Die Vorzüge der Windhühner" war seine erste Veröffentlichung. Er erschien 1956 mit Zeichnungen des Autors. Auch das ist eine Konstante: Grass gestaltet die Umschläge seiner Bücher selbst und greift die Themen seiner Texte auch in freier Grafik wieder auf, beschäftigt sich nach Abschluss eines Buches somit noch einmal in anderer Form mit seinem Thema. Die Sammlung des Günter Grass-Hauses beinhaltet deshalb eine Vielzahl von Blättern, die unmittelbar in Beziehung zu einem seiner Bücher zu setzen sind, beispielsweise dem „Tagebuch einer Schnecke" (1972), in dem er seine eigene Gegenwart und die deutsch-polnische Vergangenheit erzählerisch verzahnt. Ein Selbstportrait aus dieser Zeit zeigt ihn mit der Schnecke. Wie der Butt oder die Rättin gehört sie zum Bestiarium Grass', der sie mit eigenen Bedeutungen - die Schnecke ist ihm Sinnbild des Fortschritts - belegt hat.

 

Grass, politisch engagierter Bürger, greift in seinen Büchern immer wieder historisch relevante Themen auf, wie die Vertriebenenproblematik in „Unkenrufe" (1992), den Untergang des Passagierschiffs „Wilhelm Gustloff" in „Im Krebsgang" (2002). Bei diesem Buch, wie auch der Kurzgeschichtensammlung „Mein Jahrhundert", ermöglichen es die verschiedenen Manuskriptfassungen im Sammlungsbestand, die Genese des Werkes nachzuzeichnen. Jeweils ein Ereignis hat sich Grass pro Jahr gewählt, um den Verlauf des 20. Jahrhunderts darzustellen. Dazu entstanden Aquarelle. 60 davon besitzt das Günter Grass-Haus. Sie sind ein weiteres Beispiel für das Ineinandergreifen von Schreiben und bildnerischem Gestalten in seinem Schaffen. Diese Möglichkeiten: Einblick in den Schaffensprozess zu verschaffen, Verbindungen im Gesamtwerk herzustellen und aus den Facetten seiner verschiedenen künstlerischen Tätigkeiten ein Gesamtbild des Œvres Günter Grass' herzustellen machen die Einmaligkeit des Günter Grass-Hauses aus.

Aktuelle Termine
MI | 23.05.2012 | 19:00
Lübecker Literarisches Colloquium
Seminar mit Dr. Dieter Stolz
Familienbande − Romandebüts der Gegenwartsliteratur
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MI | 30.05.2012 | 19:00
Lübecker Literarisches Colloquium
Seminar mit Dr. Dieter Stolz
Familienbande − Romandebüts der Gegenwartsliteratur
mehr Informationen
SA | 02.06.2012 | 15:30
Führung
durch die Dauer- und Sonderausstellung
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Adresse
Glockengießerstraße 21
23552 Lübeck
Telefon 0451 - 122 4230
Telefax 0451 - 122 4239
Öffnungszeiten
01.01.-31.03. | Di-So | 11-17 Uhr
01.04.-31.12. | Mo-So | 10-17 Uhr
Eintrittspreise
Erwachsene / Ermäßigte / Kinder:
6 / 3 / 2,50 €
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