Workshops

Workshops richten sich an Gruppen, die sich kreativ mit dem Werk von Günter Grass auseinandersetzen wollen, um so einen lebendigen Zugang dazu zu finden.

 

 

Dein Jahrhundert − Schreibwerkstatt

 

Der Zyklus Mein Jahrhundert (2000) besteht aus einer Kombination von 100 Aquarellen und Texten - zu jedem Jahr des 20. Jahrhunderts ein Paar. Texte und Bilder ergänzen einander auf subtile Art: Mal zeigt das Bild nur ein Detail des Textes, mal ist das Bild eher der allgemeine Kommentar zum sehr subjektiven Text. Die Ich-Erzähler der Texte haben höchst unterschiedliche Identitäten, fast alle repräsentieren jedoch Stimmen „von unten", von einfachen Leuten.

 

So entsteht eine vielstimmige Sammlung, die zum Umarbeiten geradezu auffordert. Schüler können „ihr" Jahrhundert schreibend und zeichnend/malend/fotografierend etc. darstellen. Hierbei lässt sich der Begriff „Jahrhundert" auch durch „Jahre" ersetzen, der Zeitraum kann je nach Bedarf bestimmt werden. Als Impuls können entweder die zahlreich im Grass-Haus vorhandenen Originalaquarelle des Künstlers oder eigene Werke benutzt werden. Schreibwerkstätten bieten sich aber auch zu vielen

anderen Themen und Werken an.

 

"Warum erst jetzt?" sagte jemand, der nicht ich bin.

 

So beginnt Grass' Novelle Im Krebsgang (2002), wieder ein Text, in dem der Autor die Ich-Perspektive wählt. In der ersten Manuskript-Version findet sich jedoch noch ein auktorialer Erzähler. So kann man anhand des vorliegenden Materials zum einen den Veränderungsprozess der Erzählhaltung verfolgen, es ist aber auch denkbar, eine Geschichte quasi rückwärts zu schreiben: Welche Perspektiven erlaubt die „Urversion",

wohin hätte sie führen können?

 

In ähnlicher Weise kann man mit der Blechtrommel verfahren: kreatives Schreiben, auf der Basis des Stoffs, aber losgelöst von der

eingeschränkten Perspektive Oskar Matzeraths.

 

 

Der Fortschritt ist eine Schnecke − Motivsuche interaktiv

 

Dem Grass-Kenner ist das Bestiarium seines Werks bekannt: Ratte, Fisch, Schnecke, aber auch Motivfiguren wie Nonne und Köche sowie einmal eingeführte Figuren wie Oskar Matzerath oder Tulla Pokriefke tauchen nach Jahrzehnten wieder auf. Welche Art von Symbolik oder Kontinuität enthalten sie? Sie finden bei uns Terminals mit den entsprechenden Text- und Bildbeispielen, an denen Schüler selbständig suchen und auswerten können. An dieser Stelle liegt natürlich der Schritt zur eigenen Produktion nahe: Welches ist mein „Wappentier"? Welche Alltagswesen symbolisieren für mich etwas? Hier ergeben sich wie von selbst zahlreiche Schreibanlässe. Wir geben gern Anregungen für Aufgabenstellungen, wenn Sie dies wünschen.

 

 

Im Bau der Rättin − Grass, der Methodiker

 

Was die Hirnforschung bestätigt, haben aufmerksame Pädagogen immer schon festgestellt: Es gibt unterschiedliche Lern- und Arbeitstypen. Günter Grass ist eindeutig ein visuell orientierter Mensch, und so zeichnen seine Texte sich nicht nur durch eine Fülle an Sprachbildern aus, sondern der Autor hat sie immer auch durch bildnerisches Arbeiten begleitet.

 

So beginnt er seine größeren Werke regelmäßig mit einem anschaulichen Werkplan, der nicht nur abstrakt die Struktur skizziert, sondern diese auch in Form eines sinngebenden Bildes unterstreicht: Der Werkplan zur Rättin gleicht einem Rattenbau mit all seinen unterirdischen Verzweigungen, der Plan zum Roman Ein weites Feld zeigt eine Hand, entsprechend dem Motiv der „Treuhand", die in dieser Aufarbeitung der unmittelbaren Nachwendezeit eine so entscheidende Rolle spielte. All dies sind auf den jeweiligen Inhalt konkret verweisende Mindmaps, die in ihrer jeweiligen Gestalt Einfluss auf die Gestaltung des Romans haben (fünf Finger der Hand - fünf Hauptkapitel im Roman Ein weites Feld). Im Grass-Haus finden Schüler diese Werkpläne vor und

können Anregungen für eigenes systematisches Lernen erhalten.

 

 

Trauriges, Komisches und Absurdes − Szenisches Interpretieren

 

Der Romanautor Grass greift immer wieder zur Perspektive des Ich-Erzählers, und so ergeben sich jede Menge Möglichkeiten, die Geschichten auch von anderer Warte zu betrachten - und zu inszenieren.

 

In einem Workshop „Szenisches Interpretieren" kann z. B. Joachim Mahlke aus Katz und Maus direkt ins Gespräch mit seinen Klassenkameraden kommen, die verstreute Familie Pokriefke aus dem "Krebsgang" trifft sich zum Streitgespräch am Esstisch et cetera.

 

Es geht nicht ums Nachspielen, auch nicht um die Inszenierung der Dramen Grass', sondern um die Annäherung an seine Prosa auf einer eigenen, kreativen Ebene. Für Schüler und Lehrer kann dies gleichermaßen dem Kennenlernen oder

Vertiefen einer besonderen Interpretationsform dienen.

 

 

Von Leseratten und Ohrenzeugen − Medienrezeption

 

Im Laufe der Jahre hat Günter Grass zahlreiche seiner Werke selbst „eingelesen" für Hörbuchproduktionen. Und alles am Stehpult!

 

Das Lesen und Schreiben in dieser Position bevorzugte neben Grass auch Goethe, und viele Orthopäden geben ihnen recht.

Wie wäre es, wenn Schüler Lesungen oder Präsentationen in Grass' bevorzugter Haltung erlebten und durchführten? Eine kleine Lesereihe mit Texten des Autors, ergänzt durch eingespielte Originallesungen, vielleicht auch durch einen kleinen Schülervortrag - dadurch ließe sich

die Nähe zum Autor noch besser herstellen.

 

Das Grass-Haus bietet auch gern eigene Lesungen aus Texten von Günter Grass für Schüler an.

 

 

„Bin ich nun Schreiber oder Zeichner?"

 

Grass der Autor - Grass der Bildhauer, Maler und Zeichner - das lässt sich nicht voneinander trennen. Wie das eine das andere beeinflusst, wie die Bereiche voneinander profitieren - all das ist zentraler Bestandteil der Dauerausstellung und wird an zahlreichen Exponaten demonstriert, es ist zudem immer wieder Thema von Sonderausstellungen. Übergreifendes Arbeiten der Fachbereiche Deutsch und Kunsterziehung ist hier daher

immer wieder lohnend.

 

Neben der Rezeption ermöglichen wir Ihnen auch gern praktisches Arbeiten.

 

 

„Ich schraubte das Tintenfass zu, verließ mein Stehpult, ergriff Partei."

 

Grass der Autor - Grass der Bürger - auch diese beiden Facetten sind unmittelbar aufeinander bezogen. Wie wenige Autoren stellt sich Grass schon seit Jahrzehnten seiner Verantwortung als „öffentliche Persönlichkeit".

 

In Kooperation mit dem benachbarten Willy-Brandt-Haus lässt sich dieses Thema gut erarbeiten. Dies kann in Form einer themenbezogenen Schwerpunktführung geschehen; denkbar ist auch eine Kombination aus Präsentation, Fachvortrag und anschließender vertiefender Erarbeitung in konzentrierter Seminaratmosphäre.

Aktuelle Termine
SO | 20.05.2012 | 10:00
Internationaler Museumstag: KOSTENLOSE FÜHRUNG
"Gestern wird sein, was morgen gewesen ist."
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Günter Grass-Hauses
mehr Informationen
SO | 20.05.2012 | 12:00
Internationaler Museumstag: KOSTENLOSE FÜHRUNG
"Das Ungenaue genau treffen."
Ausblick auf die neue Sammlungsausstellung des Günter Grass-Hauses
mehr Informationen
SO | 20.05.2012 | 15:00
Internationaler Museumstag: KOSTENLOSE FÜHRUNG
"Die Gier nach Kunst"
Günter Grass' Werdegang als bildender Künstler
mehr Informationen
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Glockengießerstraße 21
23552 Lübeck
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Telefax 0451 - 122 4239
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01.04.-31.12. | Mo-So | 10-17 Uhr
Eintrittspreise
Erwachsene / Ermäßigte / Kinder:
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